22. März – Teilzeitrebellin

Turid Müller singt von der täglichen Grätsche zwischen Ideal und Wirklichkeit, über Politik und Gesellschaft und dem ganzen vertrackten Wertechaos, dem niemand entkommt. Nicht mal sie selbst.

Zwischendurch plaudert die Schauspielerin und Diplompsychologin aus dem Nähkästchen ihrer Karriere. Von der bühnentherapeutischen Couch aus spießt die lächelnde Blondine im kleinen Schwarzen treffsicher auf, was wir nur allzu gern unter den Teppich unserer eigenen Prinzipien kehren. Dabei schürft sie tief, aber nie unter der Gürtellinie. Sie greift Themen auf von Rechtsruck bis Werbefernsehen, Burnout und Demenz, Kapitalismus und Feminismus. Worte und Noten ihrer Lieder stammen aus eigener, akribisch angespitzter Feder.

Die Müller fesselt uns, und das schneidet auch mal ins Fleisch. Bis sich dann unerwartet hinter den geschliffenen Worten die emphatische Seele offenbart und uns die Hand aufs Herz legt. Nicht wegzudenken: Stephan Sieveking, der Mann an den Tasten. Leise und lakonisch, höflich und hinterlistig.

Achtung! Die Teilzeitrebellin ist ansteckend und lässt uns ohne Sicherheiten zurück. Aber mit einem frischen Blickwinkel auf die Frage: “Ist das noch Psychiatrie oder schon Politik?”

 


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