Rückblick Oktober 2009:
Der teure Kampf gegen Piraten
2,75 Millionen Dollar Lösegeld. 24 Seeleute gefangen an Bord. Vier Monate zäher Verhandlungen. Das ist die bittere Bilanz der Entführung der Hansa Stavanger, die sich von April bis August dieses Jahres hinzog. Somalische Piraten hatten das Schiff etwa 400 Seemeilen vor der Küste Somalias auf der Fahrt von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Mombasa in Kenia gekapert. Kein Einzelfall, denn 2009 wurden allein bis September weltweit rund 300 Schiffe von Piraten angegriffen. Allein 97 dieser Fälle ereigneten sich im Golf von Aden, den pro Jahr etwa 20.000 bis 25.000 Handelsschiffe auf dem Weg zwischen Europa und Asien durchfahren.
Angesichts dieser Fakten wird die Frage nach der Sicherheit immer lauter. Wie kann man die Seeleute vor dem Überfall der Piraten schützen? Wer verhandelt im Fall einer Entführung und sorgt dafür, dass die Besatzung unversehrte nach Hause kommt? Jan Kestner ist so einer. Als ehemaliger Marinesoldat und heutiger Sicherheitsberater bei Clayton Consultansts kennt er sich aus und führte schon viele Verhandlungen mit Piraten, darunter auch mit den Entführern der Hansa Stavanger. Und er weiß: Eine gute Ausstattung an Bord der Schiffe allein genügt nicht, um die Piraten abzuwehren. Vor allem muss die Mannschaft den Ernstfall üben. Die Ausgaben zur Piratenabwehr scheinen unvermeidbar, denn das Risiko eines Überfalls ist rasant gestiegen.
Fregattenkapitän und Presseoffizier der Bundesmarine Achim Winkler, der im Rahmen der EU-Operation "Atalanta" Handelsschiffen auf ihrem Weg durch den Golf Geleitschutz gibt, bestätigte die große Gefahr, die von den moderne Piraten ausgeht. Und er kritisierte, dass es keine ausreichenden rechtlichen Grundlagen für das Problem gibt. Ist beispielsweise ein gekapertes Schiff befreit, kommt die große Frage: Wohin mit den Piraten? Kein Land will sich zuständig fühlen, kann Land will sie aufnehmen. Ganz zu schweigen von den nicht vorhandenen nötigen Geldmitteln. Doch eines ist klar: So lange Länder wie Somalia ihre politischen und sozialen Zustände nicht ändern und vor allem verbessern, wird es Piraten und andere Verbrecher geben. Und so lange werden auch Schiffe auf ihrem Weg durch den Golf von Aden gefährdet sein.
Moderiert von Andreas Graf (Hessischer Rundfunk) war die Diskussionsrunde spannend bis zur letzten Minute. Das anschließende Essen erfreute wie immer Gusto und Gaumen – und die Gespräche taten ihr übriges.
Die Bildergalerie des Abends finden Sie hier
Anfang Dezember sendete der Hessische Rundfunk den von Andreas Graf verfassten Beitrag über Jan Kestner zum ersten mal in der Sendung Maintower. Im Videoarchiv des HR können Sie sich den Beitrag am PC ansehen. (Link zum HR-Videobeitrag)

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